Von Cortobe bis Santiago de Compostela

Die morgendliche Herausforderung ist, wieder zurück auf den Camino zu finden. Durch den Neubau der Autobahn und Landstraße ist die Herberge etwas ins Abseits geraten. Mit Hilfe von der Camion App und Kommod finden wir den richtigen Weg. Wie an der Perlenschnur aufgereiht überqueren Pilger die Autobahnbrücke. Alles muss also richtig sein und die Zweifel am Weg sind ausgeräumt. Es sind noch mehr als am Vortag unterwegs. Gegen 10 Uhr scheint die Sonne unbarmherzig. Heute sind 25km und 500 hm, bis zur nächsten Herberge, zu schaffen.

Die Menschenschlange wird lang und länger

Also müssen die Pausen gut eingeplant werden. Wir freuen uns über jedes Waldstück das Schatten spendet. Pünktlich um 14 Uhr reißt der Strom der Pilger, wie am Vortag, ab. Für uns ist es angenehm, ohne den Trubel, im eigenen Tempo zu laufen. Um 17 Uhr erreichen wir die Herberge und finden noch Zeit eine kleine Kleiderwäsche einzulegen. Dann geht es an die Suche nach Abendessen.

Beim Abendessen wird auch dieses Pferd vor der Gaststätte geparkt

Heute ist unser letzter Camino Wandertag. Es sind nur noch 10 km bis nach Santiago de Compostela. Noch vor 8 Uhr brechen wir ohne Frühstück auf. Es sollen über 30 Grad werden und ein Café nach 2km finden wir auch. Zum ersten Mal auf unserem Weg nach Santiago gibt es tatsächlich Omelett zum Frühstück. Die Anzahl an Cafés nimmt zu aber auch die Anzahl an zu zahlenden € . Um 11 Uhr stehen wir vor der Kathedrale.

Ziel vieler Träume
Der Vorplatz füllt sich mit Menschen aus aller Welt
Nach 702km am Ziel

Mit uns aber noch Tausende anderer Pilger. Es herrscht Hektik, Gedränge und Lärm. Der Kommerz hat Einzug gehalten. Ein Nippes Shop reiht sich an den anderen. Um an die begehrte Urkunde zu kommen müssen wir in einer Seitenstraße in ein Nebengebäude. Am Eingang wird nach langer Zeit wieder nach der Corona Maske gefragt. Dann muss ein Umfangreicher Zettel mit Name, Alter, Beruf, Grund des Pilgern usw. ausgefüllt werden. Dann in ein weiteres Gebäude gegangen werden um eine Bearbeitungsnummer zu ziehen. Dann warten und in einem weiteren Gebäude am richtigen Schalter die Urkunde für 5€ entgegenzunehmen. Es nervt mich gewaltig. Alles ist chaotisch und miserabel organisiert. Seit Jahren kommen täglich tausende von Pilgern. Ist es nicht möglich dies alles besser zu machen? Ich bin müde, habe Durst und möchte auf die Urkunde verzichten. Meine Nummer geht verloren und mein Anmeldeformular landet wutentbrannt zerknüllt auf dem Boden neben dem Mülleimer. Eine Stunde später erhalte ich, im Schatten auf der Treppe neben dem Brunnen sitzend eine Rolle gezeigt in der sich Ingrid‘s und meine Urkunde befindet. Ich werde mir diese Urkunde, wenn überhaupt, erst zuhause und in einer ruhigen Minute anschauen.

Der geordnete Rückzug beginnt

Am Nachmittag treten wir den geordneten Rückweg an. Unsere Herberge liegt genau 2,5 km vor der Kathedrale direkt am Camino. Vorher gehen wir auf die Post um unsere Postlagernden Sachen abzuholen. Ich bin erstaunt ganze Fahrräder werden verschickt. Ich denke sie werden zurück nach Hause geschickt und sind nicht für die Ankunft geplant. Mit erreichen der Unterkunft ist unser Pilgern auf dem Jakobsweg beendet. Es war eine intensive, anstrengende aber für mich nicht spirituelle Zeit. Ich habe zu nichts gefunden außer zur Erkenntnis „Da geht noch was“.

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